Wasser ist nicht gleich Wasser – Leitfähigkeit, Härte & Co. verständlich erklärt
Wasser ist transparent, geschmacklos und scheinbar immer gleich.
In Heizungs- und Kühlanlagen ist genau diese Annahme jedoch einer der größten Denkfehler.
Denn aus technischer Sicht gibt es kein neutrales Wasser.
Je nach Zusammensetzung kann es Anlagen schützen – oder schleichend zerstören.
Um Heiz- und Kühlwasser richtig beurteilen zu können, lohnt sich ein genauer Blick auf die wichtigsten Parameter:
Leitfähigkeit, Härte, pH-Wert und Salzgehalt.
Warum Wasserqualität in technischen Anlagen so entscheidend ist
In Heizungs- und Kühlsystemen ist Wasser kein Verbrauchsmedium, sondern ein dauerhaft zirkulierender Betriebsstoff.
Alles, was einmal eingebracht wird, bleibt im System – und wirkt dort über Jahre.
Ungeeignete Wasserqualität führt unter anderem zu:
- Korrosion
- Kalk– und Schlammablagerungen
- Magnetitbildung
- Effizienzverlusten
- vorzeitigem Bauteilverschleiß
Die gute Nachricht:
Diese Effekte sind kein Zufall, sondern lassen sich gezielt vermeiden – wenn man die Wasserparameter versteht.
Leitfähigkeit – der wichtigste Indikator für Risiken im System
Die elektrische Leitfähigkeit beschreibt, wie viele gelöste Ionen sich im Wasser befinden.
Je höher die Leitfähigkeit, desto mehr „aktive“ Stoffe sind im System vorhanden.
In der Praxis bedeutet das:
- hohe Leitfähigkeit = hohes Korrosionspotenzial
- niedrige Leitfähigkeit = geringere elektrochemische Aktivität
Gerade bei gemischten Materialien (z. B. Stahl, Kupfer, Aluminium) spielt die Leitfähigkeit eine zentrale Rolle.
Sie ist deshalb einer der wichtigsten Messwerte bei der Heizwasseranalyse.
Merke:
Leitfähigkeit ist kein abstrakter Laborwert – sie ist ein direkter Risikofaktor für die Anlage.

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Wasserhärte – bekannt, aber oft falsch eingeordnet
Die Wasserhärte beschreibt den Gehalt an Calcium- und Magnesiumionen.
Im Trinkwasser ist sie vor allem aus Haushalten bekannt – im Heizsystem hat sie jedoch eine andere Bedeutung.
Hohe Wasserhärte kann führen zu:
- Kalkablagerungen auf Wärmetauschern
- reduzierter Wärmeübertragung
- steigenden Energieverbräuchen
Wichtig ist jedoch:
Auch weiches Wasser ist nicht automatisch geeignet.
Denn niedrige Härte sagt nichts über Salzgehalt oder Leitfähigkeit aus.
Härte ist also nur ein Teil der Wahrheit – nicht das ganze Bild.
pH-Wert – der stille Lenker chemischer Prozesse
Der pH-Wert bestimmt, ob Wasser sauer, neutral oder alkalisch reagiert.
In technischen Anlagen beeinflusst er maßgeblich:
- Korrosionsverhalten
- Materialverträglichkeit
- Stabilität der Wasserchemie
Ein falscher pH-Wert kann:
- Metallauflösung fördern
- Schutzschichten zerstören
- selektive Korrosion begünstigen
Besonders wichtig:
Der optimale pH-Wert hängt immer vom Materialmix der Anlage ab.
Pauschale Zielwerte führen hier schnell in die Irre.

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Unser Vadion pH-Control ist ein Mischbettharz, das neben einer Entsalzung des Wassers auf < 100 μS/cm (entspricht 0-2 °fh) auch einen pH-Wert des Füllwassers im geforderten Bereich liefert.Zum Produkt
Salzgehalt – das unsichtbare Langzeitproblem
Salze im Wasser sind häufig der Haupttreiber für:
- steigende Leitfähigkeit
- elektrochemische Reaktionen
- schleichende Schädigungen
Sie gelangen ins System durch:
- unbehandeltes Füllwasser
- Nachspeisung
- Diffusion
- Wartungsarbeiten
Einmal im System, lassen sich Salze nur durch gezielte Maßnahmen wieder entfernen.
Warum „gutes Trinkwasser“ nicht automatisch gutes Heizwasser ist
Trinkwasser unterliegt strengen gesetzlichen Anforderungen – allerdings mit einem völlig anderen Ziel:
Gesundheitsschutz für den Menschen, nicht Materialschutz für Anlagen.
Was für den Menschen unbedenklich ist, kann für Heizungsanlagen problematisch sein:
- Mineralien
- Salze
- Sauerstoff
Deshalb gilt:
Trinkwasserqualität ≠ Anlagenwasserqualität
Heizwasser verstehen heißt Schäden vermeiden
Wer Leitfähigkeit, Härte, pH-Wert & Co. kennt und richtig einordnet, kann:
- Wasser gezielt aufbereiten
- Risiken frühzeitig erkennen
- Nachspeisung kontrollieren
- Schäden vermeiden, bevor sie entstehen
Heizwasserqualität ist kein abstraktes Spezialthema – sondern Grundlage professioneller Anlagentechnik.
Ganzheitlicher Blick statt Einzelwerte
Wie alle Konzepte von UWS Technologie betrachten wir Wasserqualität niemals isoliert.
Erst das Zusammenspiel aller Parameter entscheidet darüber, ob Wasser:
- stabil
- materialverträglich
- langfristig sicher
im System arbeitet.
Ein einzelner guter Wert reicht nicht aus – entscheidend ist das Gesamtsystem Wasser.

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Fazit: Wasser ist ein technischer Werkstoff
Wasser ist nicht einfach Wasser.
In Heizungs- und Kühlanlagen ist es ein aktiver, chemisch wirksamer Bestandteil des Systems.
Wer seine Eigenschaften versteht:
- plant sicherer
- arbeitet richtlinienkonform
- reduziert Haftungsrisiken
- verlängert die Lebensdauer von Anlagen
Heizwasserqualität beginnt mit Verständnis – und endet mit Stabilität.